
Vention Unplugged Berlin: Was es wirklich bedeutet, wenn KI Teil des Teams wird
Vention hat kürzlich die erste Berliner Ausgabe von Vention Unplugged veranstaltet und dafür Product Leader, Ingenieure, Gründer sowie KI-Experten zusammengebracht. Im Mittelpunkt stand eine Frage, mit der sich inzwischen viele Organisationen aktiv beschäftigen: Was bedeutet es eigentlich, mit KI als Teammitglied zu arbeiten?
Moderiert von Vention CTO Paul Lunow war der Abend bewusst als offener Austausch konzipiert – ein Raum, um echte Erfahrungen zu teilen, Annahmen zu hinterfragen und über oberflächliche Diskussionen rund um KI hinauszugehen.
Das Format vereinte dabei drei Perspektiven: einen neurowissenschaftlich geprägten Ignite Talk, eine offene Paneldiskussion mit führenden Technologieverantwortlichen sowie Raum für persönliche Gespräche und Networking.

Was KI noch nicht kann
Den Auftakt machte ein Ignite Talk von Ezgi Kayhan Wagner, Ph.D., Neurowissenschaftlerin, klinische Psychologin und Gründerin von Moomby.
Ihre zentrale Botschaft war ebenso einfach wie wichtig: Menschen und KI lernen noch immer auf grundlegend unterschiedliche Weise.
Aus der Perspektive der Entwicklungsneurowissenschaften erklärte sie, wie Menschen kausale Modelle der Welt aufbauen. Schon mit wenigen Beispielen können sie Zusammenhänge erkennen und ihr Verständnis durch Interaktion kontinuierlich weiterentwickeln. Selbst Kinder zeigen diese Form des adaptiven Denkens.
KI hingegen funktioniert bislang überwiegend vorhersagebasiert. Sie kann zwar Schlussfolgerungen simulieren, versteht jedoch Ursache-Wirkungs-Beziehungen nicht wirklich und lernt nicht aus körperlicher Erfahrung oder Interaktion.
Diese Lücke ist entscheidend. Sie zeigt, dass KI kein Ersatz für menschliches Denken ist, sondern ein System mit bestimmten Stärken – das erst in Kombination mit anderen Ansätzen sein volles Potenzial entfalten kann.
Vom Tool zum Teammitglied
In der anschließenden Paneldiskussion, moderiert von Paul Lunow, diskutierten:
- Catalina Torrella, Founder und CTO bei Lovelaice
- Dirk Wojvod, Geschäftsführer der Rulemapping Group
- Florian Thiel, Director of Engineering bei Upvest
- Pramit Ray, Chief AI Officer und Co-Founder von Rayol AI Solutions
Im Mittelpunkt stand eine zentrale Unterscheidung: Tool vs. Teammate.
Ein Tool reagiert auf Input und führt Aufgaben aus. Ein Teammate agiert mit einem gewissen Grad an Autonomie, bringt Ideen ein und interagiert innerhalb eines Systems. KI bewegt sich heute irgendwo dazwischen.
Viele Teams nutzen KI bereits als eine Art Junior Support: Sie beschleunigt Workflows, hilft bei der Ausführung und ermöglicht schnelleres Experimentieren. Die Grenzen sind dabei aber klar:
- Accountability fehlt
- Kontext und Intention werden oft nicht erfasst
- Das „Warum" hinter Entscheidungen erschließt sich
KI nicht wirklich KI liefert Output – braucht aber Menschen, die diesen Output steuern, einordnen und validieren.

Vertrauen, Verantwortung und der Praxiseinsatz
Ein besonders intensiv diskutiertes Thema des Abends war Vertrauen.
Kann KI tatsächlich als Teammitglied vertrauenswürdig sein?
Die Antwort fiel differenziert aus: Es hängt stark von der jeweiligen Aufgabe ab.
Bei strukturierten, wiederholbaren Tätigkeiten arbeitet KI bereits sehr zuverlässig. Mit zunehmender Komplexität wird Vertrauen jedoch schwieriger.
Ein entscheidender Unterschied liegt in der Verantwortung. Menschliche Teammitglieder können Ergebnisse verantworten und dafür einstehen. KI hingegen nicht. Sie führt Anweisungen aus, trägt jedoch keine Verantwortung für die Konsequenzen.
Einige Panelteilnehmer zogen Parallelen zu Systemen, auf die wir heute bereits vertrauen – etwa automatisierte Funktionen in Autos oder in der Luftfahrt. Diese Systeme sind zuverlässig, weil sie innerhalb klar definierter und vorhersehbarer Grenzen operieren.
Generative KI hingegen bringt mehr Variabilität ins Spiel – und verändert damit die Vertrauensgleichung.
Das pragmatische Fazit des Abends: KI kann innerhalb klar definierter Grenzen ein vertrauenswürdiger Partner sein – jedoch nicht ohne menschliche Aufsicht.
Logik vs. menschliches Urteilsvermögen
Ein weiteres zentrales Thema des Abends war die Rolle von Logik in Entscheidungsprozessen.
KI bringt Konsistenz, Geschwindigkeit und eine stärker datenbasierte Perspektive in Entscheidungen ein. Sie kann helfen, Bias zu reduzieren und unnötige Reibung in Teams zu vermeiden.
Gleichzeitig hängen Entscheidungen in der realen Welt von mehr ab als reiner Logik. Sie erfordern Kontextverständnis, ein Bewusstsein für unterschiedliche Stakeholder sowie die Fähigkeit, Stimmungen und Dynamiken im Raum zu erfassen.
Die Diskussion machte deutlich: Die effektivsten Teams entscheiden sich nicht zwischen Logik und Intuition – sie verbinden beides.
KI kann Entscheidungsprozesse stärken. Menschen sorgen dafür, dass diese Entscheidungen im richtigen Kontext angewendet werden.

Wie sich Teams und Rollen verändern werden
Mit Blick auf die Zukunft diskutierte das Panel auch, wie KI Teamstrukturen verändern wird.
Ein breiter Konsens bestand darin, dass KI zunehmend wiederkehrende und operative Aufgaben übernehmen wird. Dadurch verschiebt sich der Fokus menschlicher Arbeit stärker auf Tätigkeiten mit höherem Mehrwert, etwa:
- Problemdefinition und Problemverständnis
- Strategisches Denken
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Statt Führungs- oder Senior-Rollen zu ersetzen, wird KI diese Rollen wahrscheinlich neu definieren.
Einige Perspektiven deuteten auf kleinere Teams hin oder auf einzelne Personen, die mehrere KI-Systeme orchestrieren. Andere betonten, dass menschliche Aufsicht und Kreativität weiterhin unverzichtbar bleiben werden.
Klar ist: Die Definition von Beitrag und Wertschöpfung in Teams verändert sich bereits.
KI verändert Prozesse – Menschen prägen die Kultur
Je mehr KI operative Aufgaben übernimmt, desto weniger Reibung könnte in Teams entstehen – und desto mehr Raum für sinnstiftende Arbeit.
Routineaufgaben, repetitive Prozesse und operative Tätigkeiten können zunehmend von KI übernommen werden. Teams gewinnen dadurch Zeit für wertschöpfendere Aktivitäten.
Damit verändert sich auch, wie Menschen ihre Zeit verbringen: Mehr Fokus auf Zusammenarbeit, Problemlösung und kreatives Denken – weniger auf reine Umsetzung.
Doch Kultur entsteht nicht durch Output, sondern durch Interaktion.
Die Diskussionen des Abends machten deutlich, dass Teamkultur durch gemeinsame Erfahrungen, Vertrauen, konstruktive Auseinandersetzung und langfristige Abstimmung entsteht. Das sind Prozesse, die aus menschlicher Zusammenarbeit hervorgehen – nicht aus Systemen.
KI kann beeinflussen, wie Teams arbeiten: Sie kann Bias reduzieren, mehr Konsistenz in Entscheidungsprozesse bringen und Feedbackprozesse unterstützen.
Was sie nicht ersetzen kann, sind Beziehungen, Verantwortungsgefühl und das gemeinsame Commitment, das starke Teams ausmacht.
In der Praxis entsteht daraus eine neue Dynamik: KI unterstützt das System – Menschen definieren es.
Ein humorvoller Ausklang
Zum Abschluss sorgte ein Stand-up-Comedy-Auftritt von Ludwig Benecke für eine andere Perspektive auf die diskutierten Themen.
Indem er alltägliche Frustrationen rund um KI und moderne Arbeitswelten humorvoll aufgriff, unterstrich er etwas, das sich durch den gesamten Abend zog:
Die Technologie entwickelt sich rasant – doch die Erfahrung, mit ihr zu arbeiten, bleibt zutiefst menschlich. Komplex, unperfekt und oft überraschend.

Was das für die Zukunft bedeutet
Die Berliner Ausgabe von Vention Unplugged machte eines deutlich: KI ist bereits heute ein fester Bestandteil davon, wie Teams Produkte entwickeln, Entscheidungen treffen und zusammenarbeiten.
Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht in der Einführung der Technologie, sondern darin, zu verstehen, wo KI echten Mehrwert schafft – und wo ihre Grenzen liegen.
Im Verlauf des Abends zeichnete sich ein klares Muster ab: KI funktioniert besonders gut bei strukturierten, wiederholbaren Aufgaben. Sie beschleunigt Ergebnisse, erleichtert Experimente und reduziert operative Reibung.
Sobald jedoch Kontext, Urteilsvermögen oder Verantwortung ins Spiel kommen, bleibt menschliche Beteiligung entscheidend.
Damit verändert sich auch die Rolle von Teams: Weniger Fokus auf reine Ausführung – mehr Fokus auf Problemdefinition, Interpretation von Ergebnissen und Entscheidungen, die KI nicht eigenständig treffen kann.
Gleichzeitig verändert sich auch die Bedeutung des Begriffs „Teammitglied“. KI kann beitragen, Prozesse unterstützen und Arbeitsabläufe herausfordern. Doch sie trägt keine Verantwortung, versteht keine Intentionen und erfasst nicht vollständig das Warum hinter Entscheidungen.
Organisationen, die künftig besonders erfolgreich sein werden, sind jene, die ihre Arbeitsweisen bewusst um diese Realität herum gestalten: Nicht indem sie KI als Ersatz verstehen, sondern als System, das mit klaren Grenzen, Verantwortlichkeiten und Zielen integriert wird.
Denn die Frage ist längst nicht mehr, ob KI Teil des Teams ist. Sie ist es bereits.
Die eigentliche Frage lautet: Wie gut Teams darauf vorbereitet sind, mit ihr zusammenzuarbeiten.
PR-Kontakt: PR@ventionteams.com
